| Geschichte |
Das Harmonium ist ein Tasteninstrument, bei dem verschieden lange Metallzungen von Luft umstrichen und dadurch zum Klingen gebracht werden. Die Erzeugung der Töne erfolgt damit ähnlich der Mundharmonika oder des Akkordeons. Der Klang des Harmoniums, das zu den Aerophonen gezählt wird, besitzt dadurch ein größeres Obertonspektrum, als dies bei der Orgel der Fall ist. Dies bedingt einen weicheren, angenehmen Klang. Die Geschichte des Harmoniums beginnt mit seiner Entwicklung zu Begin des 19. Jhdt., als diese neue Möglichkeit der Klangerzeugung entdeckt und auch im Orgelbau der Romantik (z. B. bei Cavaillé-Coll) genutzt wurde (beispielsweise als Hochdruckregister). Seine Blüte erlebte das Instrument gegen Ende des 19. und Anfang des 20. Jhdt. als Heimorgelersatz, Ersatz für Kirchenorgeln in kleineren Kirchen sowie als Konzertinstrument. So wurden auch Instrumente mit mehreren Manualen und Pedal gebaut. Durch Missionare nach Indien gebracht erfuhr das Instrument auch dort rege Verbreitung, vor allem als kleines, tragbares Instrument mit handbetriebenen Bälgen. Seit der Möglichkeit der elektronischen Klangerzeugung verschwand das Harmonium zu Gunsten elektronischer Orgeln fast völlig aus dem Musikleben. Dazu beigetragen haben wahrscheinlich einige Eigenheiten des Harmoniums, beispielsweise die Tatsache, dass schnelle Passagen durch die verhältnismäßig lange Einschwingzeit der Metallzungen nur mit Hilfe von Perkussionsregistern spielbar sind, die mit kleinen Hämmerchen die Metallzungen anschlagen und somit pünktlich zum Erklingen bringen. Da heute praktisch keine neuen Instrumente mehr gebaut werden (abgesehen von vereinzelten Ausnahmen, z. B. der Fa. Yamaha, die bisweilen Einzelstücke fertigt), wird das Harmonium bereits zu den historischen Instrumenten gezählt. Derzeit ist zumindest in Fachkreisen eine leichte Renaissance des Harmoniums und eine Wiederentdeckung der dafür geschriebenen Literatur zu beobachten. |
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| Zuletzt aktualisiert am Montag, den 19. Juli 2010 um 17:05 Uhr |